01.08.11 Angekommen - Endlich!!

China ist wirklich das "anderste" Land was ich je gesehen habe!!! Ich sitze hier neben Johanna, also der anderen Austauschschülerin, in einem klapprigen aber durch eine Klimaanlage ziemlich kühlen Bus voller Chinesen. Vorne läuft das Radio, ein Sender mit chinesischen Popsongs.. Gleichzeitig kann man sich auch noch einen chinesisch untertitelten Film auf einem ausklappbaren Fernseher ansehen. Obwohl der Film selbst auch auf Chinesisch ist,  sind die Untertitel dringend nötig, denn trotz des Lärms von

Motor und  Klimaanlage unterhalten sich auch noch viele Chinesen oder telefonieren mit ihren Handys, so das man vom Film kein Wort versteht. Selbst wenn man denn fließend Chinesisch könnte... :)  


Draußen ist ein unglaubliches unüberschaubares Chaos. Zumindest erscheint es mir so... Allein schon der Verkehr! Überall zwischen den normalen Autos fahren junge und alte Chinesen mit ihren Freundinnen oder auch ihrer ganzen Familie auf kleinen Motorrädern herum. Sie sind alle absolut gelassen obwohl die größeren Autos keinerlei Rücksicht nehmen sondern nur laut hupend um die Motorräder herumkurven. Die Straße ist voll mit kleinen Ständen, an denen Obst, gebratener Mais und Nudeln öder Schmuck und billige Handys verkauft werden. Dazwischen parken alle möglichen Motorräder und kleine Lastwagen und überall drängeln sich die Leute, die wegen der Wärme Flipflops oder offene Sandalen und kürzeste Hosen und Röcke tragen, aber alle fast ausnahmslos T-Shirts anhaben, die zumindest die Schultern bedecken. Seit wir angekommen sind, habe ich höchstens drei Chinesinnen mit Tops gesehen!


Johanna neben mir döst. Um dieses Talent, überall einzuschlafen, beneide ich sie echt ein bisschen... Auch schon auf dem langen Flug von Frankfurt nach Peking, auf dem ich (obwohl ich echt todmüde war) alle zehn Minuten aufgewacht bin um mir eine neue Schlafposition zu suchen, und am Morgen echt völlig fertig war,  hat sie einfach durchgeschlafen.. Naja, vielleicht lerne ich das noch :) Wahrscheinlich sogar. Denn man gewöhnt sich ja an vieles und ich habe, seit ich in Guilin bin, noch keinen einzigen Moment Stille erlebt. Immer war irgendwas zu hören: Klimaanlagen, chinesische Gesprächsfetzen, Gerufe und Gehupe und abends unglaublich laute Grillen.


Naja, Johanna döst jedenfalls, und Hannah, die nette Chinesische Studentin, die uns in Guilin vom Flughafen abgeholt hat und uns jetzt keine-Ahnung-wohin bringt (es ist irgendwie alles ein bisschen unklar:)), sitzt zwei Reihen von uns entfernt.
Ich habe anfangs noch versucht, die Untertitel des chinesischen Films zu entziffern, aber erstens kenne ich allerhöchstens die Hälfte und zweitens wechseln die Titel so schnell, das ich mit dem Lesen überhaupt nicht hinterher komme.
Die Fahrt soll etwa zwei Stunden dauern. Falls ich das zumindest richtig verstanden habe, habe ich jetzt ein bisschen Zeit, um zu berichten, was bis jetzt eigentlich passiert ist... 


Also:  Nach dem Abschiedsfrühstück am Freitagmorgen hat mich meine wunderbare Familie (ja, ich hab euch lieb) zum Flughafen gebracht. 
Ich war ein bisschen nervös weil mein Koffer trotz Extrem-Reduzierung (ich hab sogar mein zweites Handtuch, meine Flipflops und meinen Fön ausgepackt!) immer noch zwei Kilo Übergewicht hatte. Aber das Einchecken ging echt völlig problemlos(: Johanna (die andere(:) und Mariella, die sich noch von mir verabschieden wollten, sind trotz Stau gerade noch rechtzeitig gekommen. Sie hatten mir sogar ein Kissen bemalt (ich liebe es! Und werde es hier in China ganz viel benutzen!!!)..
In Frankfurt hatten wir dann extrem viel Zeit, weil unser Flug nach Peking fast zweieinhalb Stunden verspätet war.. Wir aßen also mit ziemlich vielen Asiaten in einem Minirestaurant, das die Fluggesellschaft reserviert hatte.
Um kurz vor elf ging es dann endlich los! 

 

Der 9-Stunden-Flug nach Beijing war mit Abstand der längste, den ich je erlebt habe! Es gab zehn Sitzreihen nebeneinander! Ich war, wie gesagt, total müde, aber ich konnte überhaupt nicht schlafen! Es war tröstlich zu sehen, dass viele der Chinesen auch keine drei Minuten still saßen, sondern immer neue Schlafpositionen ausprobierten: die Beine anzogen.. übereinander schlugen.. wieder ausstreckten.. die Füße an den Vordersitz stemmten.. den Kopf auf den Tisch legten.. zur Seite lehnten... 

 

Dafür, dass ich so wenig geschlafen hatte, war ich erstaunlich wach, als wir dann Samstag Mittag (nach deutscher Zeit um 8 Uhr morgens) in Beijing landeten.

Das Problem war nur, dass wir durch die Verspätung nur eine knappe Stunde Zeit hatten, um auszusteigen, unsere Pässe checken zu lassen, unser Gepäck abzuholen, damit durch den Zoll zu gehen und danach wieder einzuchecken.

Und leider ist der Beijinger Flughafen auch noch so groß, dass wir von einer "Station" zur anderen oft gute zehn Minuten laufen oder Bahn fahren mussten! Und eine halbe Stunde vor Abflug schloss der Check-in-Schalter!

Okay, also um es kurz zu machen: wir haben es nicht geschafft. Wir gingen trotzdem zum Check-in aber die Frau dort schickte uns nach einem kurzen Blick auf unser Ticket zum Ticket-Center, wo wir erfuhren, dass der nächste Flug nach Guilin erst AM NÄCHSTEN NACHMITTAG gehen würde!

Nach dieser Information irrten wir erst mal mehrere Stunden auf dem Beijinger Flughafen herum, weil wir von jedem Schalter immer zum nächsten geschickt wurden. Nachdem wir es geschafft hatten, eine chinesische Telefonkarte aus einem chinesischen Automaten zu ziehen und die Bedienung der chinesischen öffentlichen Telefone mit Hilfe der chinesischen Telefon-Service-Frau zu verstehen, riefen wir erst mal Isabella, unsere Local-Coordinatorin, an.

Sie konnte uns nicht helfen, aber war total nett, und sagte die ganze Zeit "don't worry, everything will be fine!" wenn ich ihr Englisch durch das rauschende Telefon nicht verstehen konnte. Sowieso war mittlerweile ein einziger Sprachenmischmach in meinem Kopf! Englisch, Chinesisch, Deutsch.. Das ganze endete damit, dass ich den verwirrten Chinesen am Info-Point erst mal mit einem Schwall deutscher Sätze überflutete, bis ich irgendwann merkte, dass sowohl er als auch Johanna mich komisch anguckten.. :)

Also wenn man davon ausgeht, dass ein Schüleraustausch ein großes Abenteuer und voller Herausforderungen sein soll, dann war das der perfekte Start!..

 

Am Ende schafften wir es irgendwie. Wir wurden mit ein paar anderen Leuten, die durch die Verspätung ebenfalls irgendwelche Anschlüsse verpasst hatten, in ein Hotel in der Nähe gefahren, wo wir Essen und ein auf den ersten Blick :) ziemlich luxuriöses Doppelzimmer bekamen.

Abends gingen wir noch spazieren. In China!! Es war unglaublich heiß, und obwohl wir doch in Beijing waren, also immerhin der Hauptstadt, sahen wir keinen einzigen anderen Ausländer!

Am nächsten Tag um 15:25 nahmen wir dann endlcih das Flugzeug nach Guilin.

Nach einer regnerischen Zwischenlandung in Xian kamen wir an. Es war mittlerweile schon stockdunkel!

 

Hannah, die chinesische Studentin, die absolut fließend Englisch spricht, holte uns vom Flughafen ab.

Wir übernachteten bei ihrer Tante. Sie sprach glaube ich gar kein Englisch, war aber unglaublich gastfreundlich, fragte Hannah über uns aus (soweit ich das denn mitgekriegt habe) und schenkte uns am nächsten Morgen Tee zur Abreise.

Nachdem wir in einem kleinen Nudelrestaureant gefrühstückt hatten (mit Stäbchen!!) waren wir noch kurz mit Hannah im Walmart-Supermarkt und fuhren dann zum Busbahnhof. Da ließ Hannah uns erst mal eine Weile stehen und gng Fahrkarten kaufen..

Naja, und jetzt sitzen wir hier. In einem Original-chinesischen Bus. Ich wüsste wirklich gerne, wo wir hinfahren...

 

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