04.12.11 时间像水 (Zeit ist wie Wasser) :)

Diese chinesische Weisheit habe ich neulich irgendwo aufgegabelt, und im Moment stimmt es wirklich: Zeit ist wie Wasser, sie fließt einfach davon! :)

Ich glaube, dass liegt daran, dass die letzten anderthalb Monate die schönsten waren, die ich hier in China erlebt habe! Wenn es einem gut geht, vergeht die Zeit einfach viel schneller!

Und dass es mir so gut geht, liegt daran, dass mir all die Leute und Abläufe und Orte hier immer vertrauter werden aber auch ganz doll an meiner tollen Gastfamilie! Es ist wirklich unglaublich schön, dass ich noch die Chance bekommen habe, in eine chinesische Familie unzuziehen!

 

Die ganze Familie, also die wirklich gut 40 Verwandten, die alle in der gleichen Straße wohnen, oder zumindest jeden Tag zum Plaudern vorbeikommen, haben mich unglaublich lieb aufgenommen! Alle betrachten mich schon jetzt als Jiejie (Schwester), Gugu (Tante) oder Nüer (Tochter) oder so und kümmern sich total süß um mich!

Es sind oft so ganz kleine Sachen, die ich total rührend finde: frischgewaschene Gardinen für mein Zimmer; die ganze Verwandschaft, die sich alle stundenlang den Kopf zerbrechen und beim Abendessen alle lauthals über ein Rätsel aus meinem Chinesischbuch diskutieren, das ich nicht verstanden habe, nur um mir zu helfen; die Eltern, die sich Sorgen machen, wenn ich am Wochenende mal mit den Volunteers ausgehe, und mich immer wieder ermahnen, vorsichtig zu sein; das Obst, das ich ständig geschenkt kriege; die resolute Tante, die mich bei jedem Essen etwa dreimal fragt, ob es mir schmeckt und mir ungefragt irgendwelche, ihrer Meinung nach besonders leckeren Sachen in die Schüssel legt; die Mutter, die mir chinesisch Kochen beibringen will, beschlossen hat, mir Hausschuhe zu häkeln, die ich mit nach Hause nehmen kann und eine Lajiu-Pflanze mitgeben will, für unseren Garten; Tan Muyao, meine zweijährige Cousine, die lachend angerannt kommt und sich mir in die Arme schmeißt; der Vater, der hört, wie ich zu Huang Jiqun (meiner Meimei, also kleinen Schwester) "See you later" sage, mich daraufhin fragt, ob das Deutsch oder Englisch ist und daraufhin auch immer "see you" sagt, und außerdem nach Deutschland kommen will, um mit meinem Vater Reiswein zu trinken; meine Meimei, die abends in mein Zimmer kommt und mich fragt, ob ich mit auf die Dachterasse kommen kann, wenn, wenn sie ihre gewaschenen Sachen runterholt, wegen der Geister; mein Gastbruder, der fragt, wieso ich eigentlich nicht auf seiner Schule bin und sich beschwert, dass wir in Deutschland mit 16 problemlos einen Boyfriend haben können, aber es in China, einen Riesenärger gibt, wenn das rauskommt (nicht das die Schüler sich davon abschrecken lassen würden); die hochschwangere, junge Cousine (oder Tante??), die mich zu ihrer Familie mitnehmen will, und mich beim Erdnüsse pulen ausfragt; dei kleinen Cousins, die meine Haare bewundern usw. usw.

 

Ich werde auch auf alle möglichen Familienfeiern mitgenommen (ich war schon auf zwei Hochzeiten, extremst chinesisch übringens, einer Taufe und mehreren Festessen) und der gesamten weiteren Verwandschaft vorgestellt: "Ta shi women die Deguo nüer, pengyou de xuesheng, jinnian cai shiliu sui, danshi ta haishi name gao, yimiqiqi! Ta bu chi rou, zhurou, yanrou, niurou, ta shenme dou bu chi, keshi name gao! (Sie ist unsere deutsche Tochter, die Schülerin einer Freundin und erst sechszehn, aber trotzdem 1,77, obwohl sie kein Fleisch isst, kein Schweinefleisch, kein Schafsfleisch, kein Rindfleisch, gar nichts!)".

 

Das mit dem Essen ist auch so eine Sache: abends gibt es immer ein großes Essen im Hinterhof, bei dem mir jedes Mal vorgeworfen wird, ich wäre sicherlich noch nicht satt und würde viel zu wenig essen, und mir immer noch mehr Reis und Gemüse und Fisch angedreht wird, obwohl ich wirklich schon absolut satt bin. Und wenn ich z.B. nachmittags draußen in der Wintersonne sitze (ja es ist plötzlich total kalt geworden, aber dazu später) kommt auch alle zehn Minuten irgendeine Tante oder ein Onkel oder ein Cousinchen vorbei, und bringt mir irgendwas zum Essen, Papayas, Baozi, Zuckerrohr, Mais- und Erdnuss-bonbons, Eis, Mandarinen...

 

Der Tagesablauf hat sich mittlerweile schon ziemlich eingependelt: Morgens um zwanzig vor sechs klingelt mein Wecker(jetzt wo ich nicht mehr im Dormitory schlafe, habe ich wieder die Versuchung immer noch ein paar Minuten liegenzubleiben, aaarg), dann stehe ich auf, mach mich fertig und fahre mit dem Fahrrad quer durch Yangshuo zur Schule. Meine Gasteltern sind dann entweder schon lange aus dem Haus (die Familie besitzt ein Ausflugsboot auf dem Fluss, so dass sie manchmal schon um fuenf Uhr morgens aufbrechen) oder stehen etwa eine halbe Stunde spaeter auf, um meine Meimei zur Schule zu fahren.

Es ist morgens mittlerweile ziemlich kalt geworden, aber ich geniesse meinen Schulweg meistens trotzdem. Wenn ich losfahre geht oft gerade die Sonne auf, und die Bruecke direkt vorm Haus meiner Gastfamilie ist jedes Mal voll (also wirklich voll:) ) von extra frueh aufgestandenen Touristen mit HIghtechkameraausruetungen, die den Sonnenaufgang ueberm Fluss und ueber den Bergen einfangen wollen. Und der ist wirklich schoen :) In der "Innenstadt" komme ich dann an jede Menge kleinen Essensstaenden vorbei, die heisse Baotze und Reistaschen und suesses Gebaeck verkaufen, und irgendwo halte ich dann an, um mir fuer ein paar Yuan ein wunderbares Fruehstueck zu kaufen. Nah der Schule ist alles voll mit Schuelern, die wie ich blau-weisse Schuluniformen und frischgekaufte Baotze tragen. Ohne Schuluniform kommt keiner, am Schultor wird namlich kontrolliert, und ohne 校牌(eine Art Identitaetskarte) und vollstaendige /Schuluniform, wird man schlichtweg nicht reingelassen. Ich bin meistens ziemlich spaet, gerade noch rechtzeitig zur Selfstudytime um halb acht.

 

Den Vormittag verbringe ich dann im Unterricht. Mit Chinesischlernen, wie immer. Dieser Lernblock am Vormittag ist gleube ich echt gut fuer mich, nafnags kam er mir lang vor, aber mittlerweile vergeht die Zeit meistens viel zu schnell. Und letztendlich sind es wirklich nur knapp viereinhalb Stunden, die ich in der Klasse sitze. Um zwoelf gehe ich mit den Maedels aus meiner Klasse essen oder haenge noch ein bisschen in derKlasse herum, Reden und Englischhausaufgaben, und verbringe die Mittagspause dann mit meinen alten Dormitoryleuten im Dormitory. Nein stimmt gar nicht :) Weil wir trotz monatelangem Nachgefrage und immer neuen Versprechen sich bald zu kuemmern, immer noch keinen von der Schule organisiserten Chinesischunterricht haben, haben Johanna und ich und jetzt sellber eine Lehrerin organisiert. 冯老师, die 语文-Lehrerin einer nahen Maedchenschule nimmt sich in der Mittagspause jetzt immer Zeit, je eine von uns eine Stunde zu unterrichten. Es kostet 30 Yuan (etwa 3.50 E) pro Stunde, aber es bringt wirklich Spass, mit ihr Untericht zu machen! Sie spricht kein Englisch, und ist selber auch noch sehr jung, gerade erst mit der Universitaet fertig! Ich habe mit ihr mein Lehrbuch noch mal ganz von vorne angefangen und uebe eigentlich nur Aussprache; meine Toene haben nicht nur gelitten, seit ich Selfstudy mache, eigentlich waren sie auch in Deutschland noch nie wirklich vorhanden.. Jede zweite Mittagspause radele ich also zur Maedchenschule rueber!

 

Um zwei gehe ich dann meistens zu Greenway hoch, um die Volunteers zu treffen, mich ein bisschen zu unterhalten und meine Mails zu checken... Oder auch irgendwas im Internet nachzugucken... :) Und dann kommt der Nachmittag.

Vor etwa anderthalb Monaten hatte ich einige Tage schulfrei, weil unsere chinesischen Mitschüler eine landesweite dreitägige Prüfung geschrieben haben, an der wir natürlich nicht teilnehmen mussten. Ich bin also stattdessen ein bisschen in der wunderschönen Landschaft hinter der Schule herumgeradelt und wurde auf einmal von einem dieser Torhüter angehalten, die hier Tag und Nacht vor jedem öffentlichen Gebäude sitzen. Dieses spezielle Gebäude war mit bunten Blumen und Comictieren bemalt und gehörte zu einem relativ kleinen, süß angelegten Kindergarten. Der schon etwas ältere aber außerst energiegeladene Torhüter wies mich an, mein Fahrrad vor dem Tor abzuschließen, meine Tasche zu nehmen und ihm zu folgen. Ich hatte keine Ahnung, was jetzt als nächstes passieren sollte, aber weil ich ja sowieso nichts zu tun hatte, und außerdem neugierig war, woher all das Kindergekreische, Stimmendurcheinander und die Klaviermusik kamen, die aus dem bunt gemalten Gebäude herausdrangen, ging ich einfach mit. Und ja, es stellte sich heraus, dass der Torhüter automatisch angenommen hatte, ich würde sicher gerne hier Englisch unterrichten und mich gleich zu der einzigen englischsprachigen Erzieherin in den dritten Stock brachte. Auf dem Weg dahin kamen von allen Seiten Kinder angelaufen, die jüngsten noch sehr klein, vielleicht ein oder zwei Jahre, die mich neugierig anstarrten und dann nach lautem "Hello hello!"-Gerufe lachend und kreischend davonrannten. 

Ich bin natürlich keine Englischlehrerin, noch nicht mal Muttersprachlerin :) und bin auch nicht gekommen, um hier im Kindergarten Geld zu verdienen, aber letztendlich machte eich dann trotzdem mit der ERzieherin ab, dass ich, wenn ich Zeit hätte, einfach vorbei kommen könnte, und den Kindern ein bisschen Englisch beibringen, bezwiehungsweise irgendwas spielen, oder englsiche Lieder mit ihnen singen. Mittlerweile war ich schon ziemlich oft da, und ab und zu ist es auch echt sehr lustig, auch wenn ich eigentlich finde, dass die Kinder eigentlich noch zu klein sind, um in einer Tour richtig "Unterricht" zu haben. Wenn ich nicht da bin, gibt es nämlich Mathe- und Lesestunden und auch die ganz kleinen werden schon ständig ermahnt, sich vernünftig hinzusetzten und aufzupassen, wenn die Lehrerin redet. Die Klassen sind teilweise sehr groß, etwa 40, 50 Kinder und um sich durchzusetzen, werden einige Lehrerinnen ziemlich laut, trennen streitende Kinder mit dem Stock, den sie auch zum Unterichten benutzen oder schubsen herumalbernde vierjährige ziemlich grob in die Ecke. Ich finde das oft irgendwie unangemessen, die Kinder sind ja alle noch so klein, aber ich muss ehrlich zugeben, dass es im Matheunterricht dann auch wirklich leise ist, sobald die Lehrerin die Stimme erhebt, wohingegen ich mich heiserschreien kann, alle sollen nach irgendeinem Spiel auf ihre Plätze zurückgehen, und damit nur noch lautere Begeisterungsschreie und noch wilderes Herumgehüpfe hervorrufe. Ich konnte mir vorher echt nicht vorstellen, wie laut das in so einem Klassenraum sein kann! :) Aber die Kinder sind sehr süß. Ab und zu gehe ich nachmittags also in den Kindergarten...

 

Ansonsten kauf ich manchmal noch in der Stadt ein paar Sachen ein oder unternehm irgendwas mit den Volunteers, aber oft fahre ich auch einfach nach Huase, unterhalt mich mit meinen Tanten und Onkels(meine Gasteltern sind meistens noch nciht da), spiel mit meinen Cousinen oder lerne weiter Chinesisch. 

Um etwa halb sechs essen dann alle zusammen in dem kleinen Hof hinter den Häusern zu Abend.Dass es immer unglaublich viel zu Essen gibt, habe ich ja schon erwähnt...:)

Abends kann ich dann mit zur Schule fahren, wenn meine Gastschwester, die jeden Abend ERhu-Unterricht hat, zu ihrer Musikschule gebracht wird. Dann treffe ich mich hier in der Schule für eine halbe Stunde mit einer Gao3-Schülerin, die mir ein bisschen Chinesisch beibringt, bzw. ihre Englischhausaufgaben mitbringt, bzw. einfach ein bisschen mit mir herumquatscht. Danach habe ich noch gute anderthalb Stunden Zeit, in denen ich unten im Spiegelsaal Geige spielen, im Internet surfen, oder mich mit den chinesische Erhu-Mädsels unterhalten kann, die auch unten üben. Um halb zehn treffe ich dann Huang Jiqun und meinen Gastvater oder einern der Onkel am Schultor und wir fahren nach Hause. Danach kann ich noch duschen, ein paar Vokabeln wiederholen oder ein bisschen lesen und der Tag ist auch schon fast vorbei.

 

Am Wochenende wasche ich meine Wäsche :), räum ein bisschen mein Zimmer auf (wischen und Müll rausbringen und so) und unternehme ein paar größere Sachen - treffe mich mit Johanna und unseren Mitschülern oder einigen Chinesen, die wir irgendwo kennengelernt haben, fahre nach Guilin oder in kleine Nachbardörfer, oder gehe an den Fluss oder mache irgendwas mit meinem Gastbruder oder meinr Gastfamilie... Eigentlich ist es jedes Wochenende verschieden! :)

 

Und wie gesagt, so vergeht die Zeit ziemlich schnell! Ich versuche einfach, all die Chancen die ich hier hab, so doll auszunutzen wie irgend geht, so viel wie möglich zu sehen und zu erleben und zwischendurch auch noch ganz viel Chinesisch zu lernen! Und ehrlich gesagt, im Moment geht es mir total gut dabei! :)