07.08.11 Grüße aus einem winzigen chinesischen Dorf! :)

Wir haben Internet!! JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!! Mann ist das ein Luxus :))

Ich hoffe, dass der Strom so lange bleibt, dass ich das Wichtigste berichten kann..

 

Ich bin hier in Fengyang, einem winzigen Dorf in den Bergen. Genauer gesagt, in einer Art Gästehaus der Organisation "Greenway China", in dem normalerweise Volunteers in ihrer Vorbereitungszeit wohnen. 

Die Organisation vermittelt Freiwillige aus Europa an chinesische Schulen und in chinesische Dörfer, wo sie den Kindern Englisch-Unterricht geben (http://greenwaychina.org/MainContent.aspx).

Hier in diesem Dorf, wo der Lebensstandard für deutsche Verhältnisse unvorstellbar ist (und die Menschen trotzdem erstaunlich glücklich  und freigiebig sind) beginnen sie ihren China-Aufenthalt mit Einführungskursen in das chinesische Alltagsleben, die Sprache und das Unterrichten (Die meisten haben noch nie vor einer Klasse gestanden!). Gleichzeitig unterrichten sie hier im neugebauten Communication-Center (einem der wenigen Gebäude im Dorf, die Fensterscheiben besitzen) chinesische Klassen.

Die meisten Dorfkinder sprechen erst sehr wenig Englisch und sind ziemlich schüchtern, aber sie sind auch total neugierig und wenden begeistert ihre Englischkenntnisse an den Ausländern an. Wenn man durch das Dorf geht, trifft mann ständig irgendwelche Kinder, die einem winken, einen anlächeln und "Hello, hello" rufen.

 

Wir, also ich und Johanna, geben natürlich keinen Englischunterricht (wir nehmen stattdessen selber welchen, wenn Charlie, ein wunderbarer, älterer Volunteer ("lovely!! Really!") abends noch Energie zum Unterrichten hat). 

Stattdessen haben wir jeden Tag sechs Stunden Chinesisch (Einzelunterricht)  und erkunden ein bisschen das Dorf und die Umgebung.

Abends sitzen wir meistens mit den Volunteers auf dem Hof (Sterne! Hitze! Grillen! Glühwürmchen!) und reden beziehungweise sind "silly", oder lernen Vokabeln.

 

Unsere Lehrerinnen sind drei chinesische Mädels, (englische Namen Cheryl, Jane, und Annie), die alle drei "Teaching Chinese as a Foreign Language" studieren. Sie sind absolut nett, und während unserer Freizeit nicht besonders lehrerinnenhaft ("We are all sisters" :) "Cath, teach us dirty Dancing!"), aber geben uns Unmengen an Vokablen zu lernen, weil sie schließlich "responsible for our Chinese" sind...

Die drei wohnen mit uns in einem Zimmer, zusammen mit Cath, einer (wie übringens alle Ausländer außer uns) perfekt Englisch sprechenden Schwedin, die "fat", "sexy" und "absolutely funny" ist.

 

Insgesamt wohnen hier etwa 20 Leute im Gästehaus, die eigentlich alle ziemlich toll sind. Wir sind mit Abstand die jüngsten (abgesehen von Richard, Isabellas kleinem Sohn), aber das ist absolut nicht schlimm. Wie Isabella sagt: "We are like a big familiy"..

 

 

Was mich absolut nervt an diesem wunderbaren Ort, ist dass wir im Moment etwa 90% der Zeit keinen Strom und mindestens 60% der Zeit kein Wasser haben!

Und das bei dieser unglaublichen Hitze! Fünf Minuten nachdem ich geduscht habe, fühle ich mich schon wieder vollkommen verschwitzt!! Wenn dann mehrere Stunden das Wasser ausfällt, sehne ich mich echt total danach, einfach mal die Hände zu waschen!

Natürlich ist es nicht so gedacht, das ständig Wasser und Strom ausfallen, aber aus irgendeinem Grund ist im Moment beides knapp, und deswegen wird für ganze Regionen regelmäßig Wasser und Strom abgeschaltet, um ihn/es für die Industrie zu sparen.. 

Wenn es dann mal beides gibt, gehen sofort alle duschen, weil niemand weiß, wann die nächste Chance ist, und sämtliche Steckdosen werden mit Handy-, IPod- und Computerladekabeln besetzt... mannomannomanno, dass kann man sich in Deutschland echt nicht vorstellen!

Aber dafür genieße ich es dann umso mehr, wenn mal alles da ist... >:) Wie jetzt grad.

 

Außerdem bin ich troztdem sehr froh, hier zu sein! Alles ist so anders, und überall wird Chinesisch gesprochen... Unser Unterricht ist auch ganz schön, auch wenn meine/unsere Aussprache echt kritisiert wird bis zum geht nicht mehr! Nach fünf Minuten Wiederholen der gleichen Silbe, zum etwa 20. Mal: " No, "tian", not "tian"!  Put your tongue in a natural way! In a natural way! Go on, go on, tian, tian, tian..." bin ich dann echt ein bisschen frustriert und genervt..  Was Um Himmels Willen ist der "Natural way"??? Bähh!!

Oder auch in den Lektionstexten ständig diese vorwurfsvolle Frage "Danshi women xueguo le zhe ge ci, ni weishenma bu ji de???" (=Wir haben das doch gelernt, wieso erinnerst du dich nicht??). Die Frage könnte ich eigentlich leicht beantworten: Das kommt daher, dass ich jeden Tag von jeder "laoshi" etwa dreißig Vokabeln bekomme, insgesamt also etwa 90, und die irgendwie immer wieder irgendwo in meinem Gehirn versickern!, aber das sage ich nicht. Erstens ist mein Chinesisch nicht gut genug (was heißt bitte "versickern"??) und zweitens meinen sie es echt nur gut. :) Wir wollen ja schließlich Chinesisch lernen!

Und insgesamt ist der Unterricht ziemlich spaßig (Wer hat schon die Chance, sich als Ausspracheübung stundenlang auf Chinesisch anzuschreien, " Ni bu piaoliang! Ni zhen hen! Ni xiang xiaotou!" =Du bist nicht schön, du bist echt Zickig, du siehst aus wwie ein Dieb!..)

 

Also ihr tollen Leute da draußen, auch wenn ich euch wegen den Stromausfallen nicht immer gleich antworten kann: es geht mir wunderbar, und ich freue mich über Mails!!! Echt!

Also, Schreibt! Mir! Jetzt! 

<3