14.08.11/2 Lampionfest & Vorurteile

Man ist erstaunlicherweise WIRKLICH was Besonderes, wenn man als Auslaender nach China kommt! Bis gestern haette ich mir aber nie vorstellen koennen, wie anstrengend das sein kann...

Seit wir hier sind, fuehle ich mich staendig, als haette ich einen besonders auffaelligen Hut an, oder waere die Tochter eines beruehmten Bankraeubers oder so was, weil uns ueberall, wo wir hin gehen, neugierige Blicke folgen, und die Leute tuscheln und laecheln und uns zuwinken...  Bis jetzt war es aber meistens ziemlich diskret, eher vorsichtige und freundliche Neugier als direktes Anstarren.

Absolut nichts im Vergleich zu gestern!

 

Diesen Samstag waren wir naemlich in einem kleinen Dorf an einem Fluss (es hiess 尤虎村,also Drachen-Tiger-Dorf), bei einer Art Lampionfest. Zwischendurch erschien es mir, als ob wir Auslaender eine groessere Sensation waeren als Feuerwerk, Lampionshow und Drachentaenze zusammen, aber dazu spaeter mehr.

Nachdem ich bis zehn geschlafen (Wochenende!) und dann mit Johanna meine Waesche gewaschen hatte, fuhren wir gegen Mittag los.

Dieser Samstag war echt der Tag, an dem anscheinend moeglichst viele China-Vorurteile bestaetigt werden sollten! Es ging damit los, dass unser Fahrer den Weg nicht wusste, aber trorzdem sofort losraste, so dass wir in einer Sackgasse landeten, beim ersten Umdrehversuch das Auto verschrammt wurde (armer Fahrer, man merkte deutlich, wie seine Laune immer weiter sank) und beim zweiten ein Hinterrad im Graben landete. Mit viel Geschiebe und einigen grossen Steinen bekamen wir es letztendlich wieder auf die Strasse, aber mein Vertrauen in den Fahrer war ziemlich gesunken, und waehrend wir durch die wirklich extrem schmalen und engen Strassen aus dem Dorf raus rasten, zerquetschte Jane fast meine Hand. Anscheinend war ihr das Ganze auch ein bisschen zu abenteuerlich, auch wenn sie Chinesin ist, und ausserdem immer wieder behauptete, der Fahrer haette ueberhaupt keine Schuld, und das wuerde alles an den schlechten Strassen liegen...

Die Fahrt nach  尤虎村 dauerte eine knappe Stunde. Bis jetzt habe ich wohl irgendwie Glueck gehabt und immer verhaeltnismassig besonnene Fahrer abbekommen (Wir sassen zwar oefter zu vierzehnt in einem Kleinbus, und Anschnallgurte gibt es sowieso nicht, aber ich hatte immer absolutes Vertrauen in die Fahrkuenste unseres "drivers") - naja, bei dieser Fahrt war es anders.

Unser Fahrer raste mit unglaublicher Geschwindigkeit ueber Schlagloecher und Risse in der Strasse, wechselte ab und zu anscheinend spasseshalber die Strassenseite und hupte laut, sobald ein anderes Fahrzeug in Sicht kam, ohne im Geringsten langsamer zu werden. Ich war ziemlich froh, als es vorbei war.

 

In  尤虎村 gingen wir zuerst zu einem kleinen Tempel und dann direkt weiter zu einer Freilichtbuehne auf der eine Drachentanzauffuehrung stattfinden sollte.

Der Drachentanz war echt toll: Immer mehrere Taenzer steckten in einem aufwendigen, bunten Drachenkostuem und liessen das ganze erstaunlich lebendig wirken. Teile des Tanzes waren richtige Kunststuecke, zum Beispiel stellte sich ein Mann auf die Schultern des anderen und warf die Arme in die Hoehe, so dass es wirkte, als ob der Drache sich aufbaeumen wuerde..

Leider konnte ich die Auffuehrung aber nicht wirklich geniessen. Um uns, also die Auslaender, herum, befanden sich -ohne Uebertreibung- staendig an die zwanzig Chinesen mit Handys, Fotoapparaten uns Hightechkameras, die draengelten und schubsten, um moeglichst gute Fotos von diesen seltsamen, grossen und hellhaeutigen Wesen in ihrer Mitte zu bekommen.. Es war wirklich ein seltsames Gefuehl, weil sie sich verhielten, als waeren wir auf einer grossen Modenschau oder so, und als waere der einzige Zweck unseres Kommens, auf moeglichst vielen Fotos zu erscheinen. Sie waren auch kein bisschen verlegen, sondern kamen mit ihren riesigen Objektiven immer naeher, knieten sich hin oder stellten sich auf kleine Maeuerchen, um besser Perspektiven zu bekommen und veranstalteten wirklich eine Art "Blitzlichtgewitter". Wir wurden an diesem Tag auch bestimmt zwanzigmal gefragt, ob wir ein Foto mit einem Chinesen machen koennten, ein Kind auf den Arm nehmen, den Arm um zwei junge Maenner legen...

Dieser Fotowahn hielt Tag an, sogar als wir abends beim Laternenfest Kerzen in bunten Plastikblumen in den Fluss setzten, wurde der Steg von Blitzen erhellt.

Ich war ziemlich verlegen und unsicher, wie ich mich verhalten sollte.

Mit der Zeit hoerte ich einfach auf, all die Kameras zu beachten, und laechelte einfach erleichert den Leuten zu, die keine Kameras hatten, sondern nur guckten und winkten. Ich meine, es hat ja auch schoene Seiten, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen...  :)

 

Nach der Drachenshow assen wir in einem kleinen, auf ziemlich eisige Temperaturen klimatisierten Restaurant, in dem ein weiteres China-Vorurteil bestaetigt wurde: es gab tatsaechlich Huehnerkoepfe und Zehen!

Ich ass stattdessen wieder mal Lotus und Ruehrei mit Tomaten (Ich liebe es!!) und bemuehte mich, mich ein bisschen zurueckzuhalten, weil mir bis jetzt nach jedem grossen Essen ziemlich schlecht gewesen ist... :)

 

Spaeter gab es dann eine Tanzshow auf dem Fluss (auf Floessen und schwimmenden Blumen) und, das Wunschblumen schwimmen lassen und ein grosses Feuerwerk...

Dann fuhren wir zurueck. Mit dem gleichen Fahrer. Aber ich war mittlerweile so muede, dass ich einfach einschlief, trotz seiner abenteuerlichen Fahrweise...