24.08.11 Yangshuo!!!!

Ich bin in Yangshuo!!! Auf dem Terrassendach der "Experimental Middleschool for Foreign Languages", in der ich das nächste halbe Jahr wohnen werde!

Ich sitze hier draussen, denn erstens ist das Wetter schön (heute hat es geregnet, so dass es endlich endlich endlich ein bisschen kühler geworden ist) und zweitens haben wir in den Zimmern keinen Internetempfang. Außerdem kann ich so immer mal wieder rübergucken, in die Zwölwerschlafräume im Gebäude gegenüber, in denen lauter Middleschoolmädels herumwuseln, reden, essen, sich die Haare flechten und zurückstecken und ihre frischgewaschenen Militäruniformen auf die Wäscheleinen vor den Fenstern hängen.

Die Athmosphäre wirkt total fröhlich und entspannt, das typische Klassenfahrt-feeling. Das macht mich ein bisschen zuversichtlicher, weil ich ein wenig unsicher bin, bei dem Gedanken daran, dass nächste Woche die Schule anfängt und wir in die Dormitories umziehen...  

 

Oh manno, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen! Ich habe hier in den letzten Tagen irgendwie so unglaublich viel neue Sachen und größere und kleinere Abenteuer erlebt... :)

 

Vielleicht erklär ich erst mal das mit den Militäruniformen.. Es ist nämlich wirklich seltsam, zumindest aus meiner Perspektive: Hier in China machen alle Schüler dreimal in ihrer Schulzeit eine Art Kurz-Militärausbildung.

Ich habe Cheryl (meine Chinesischlehrerin) gefragt, wozu das gut ist, aber sie blieb ziemlich allgemein - es würde Körper und Seele stark machen, und den Schülern helfen, insgesamt ihren Willen zu stärken und widerstandfähiger zu werden.

Vor dem Beginn der richtigen Schule nächsten Montag findet im Moment jedenfalls erst mal dieses Training statt.

Die Ausbildung besteht darin, dass die Schüler den ganzen Tag in der Sonne bzw. im Regen auf dem Schulhof herummarschieren, auf die Befehle der Ausbilder hin laufen, sich drehen, springen, die Reihen auflösen und wieder korrigierren, oder einfach nur stundenlang in perfekter Ordnung aufgereiht stehen. Zumindest ist das der Teil, den wir mitbekommen. Sie tragen alle, die gleichen Schuhe, Mützen und Uniformen - es sieht aus wie beim richtigen Militär. 

 

Es ist schon eine seltsame Athmospäre, wenn der ganze Schulhof voll ist mit Schülern in Soldatenuniformen, die sich aber ansonsten ganz normal verhalten,reden und Essen und in Gruppen herumstehen..

Ich bin wirklich gespannt darauf, meine Klasse kennenzulernen! Bis jetzt beschränkt sich der Kontakt nämlich auf Zulächeln und vorsichtiges Winken, wenn wir Ausländer über den Campus in die Stadt aufbrechen..

 

Okay, aber jetzt fang ich mal von vorne an. 

Letzte Woche hat Isabella beschlossen (oder vielleicht war es auch schon lange so geplant, und wir haben es nur nicht erfahren, das weiß man hier ja nie), dass wir alle von Fengyan, unserem kleinen Bergdorf, nach Yangshuo in unsere Schule umziehen. 

Ich war zuerst ein bisschen traurig. In dieser dritten und letzten Fengyanwoche habe ich mich nämlich endlich getraut, mit ein paar Dorfbewohner zu reden (Frauen und kleine Mädchen(:).. Es war absolut nett und ich hätte echt gerne noch mehr Zeit gehabt, um alles besser kennenzulernen.

Das ganze hatte damit angefangen, dass ich mit ein paar kleinen Mädchen, die neugierig vor dem Gastehaus herumhingen, im Garten gespielt habe. Sie waren unglaublich "lovely" (Ach Charlie..(:) und ich war unglaublich froh, weil ich endlich endlich endlich jemanden hatte, bei dem es mir absolut nichts ausmachte, mein Chinesisch auszuprobieren, auch wenn es absolut voller Fehler ist.. Wir machten also irgendwelche Kinderspiele, sie brachten mir neue Vokabeln und ein chinesisches Kinderlied bei (was schon ziemlich patriotisch war, soweit ich das verstanden habe  -> Women dou shi yi da jiating, mingzi jiao zhongguo->Wir sind alle eine große Familie, deren Name China ist...), kletterten auf mir herum, flochten mir die Haare, wollten "Englisch tanzen" lernen..

Die vier Mädchen vom ersten Tag kamen dann immer wieder, brachten ihre Freundinnen mit, und nahmen mich überall hin mit.. Ich weiß nicht genau wie alt sie sind, vielleicht neun oder zehn - jedenfalls extrem süß :)

Am Donnerstag Abend waren wir dann wieder auf dem großen Platz vor dem Communitycenter, wo normalerweise der Englischunterricht stattfindet, und rannten irgendwie im Dunkeln herum, bzw. spielten "die große und böse Veronika will kreischende Kinder fressen", als auf einmal mehrere jüngere und ältere Frauen zum Center kamen, und anfingen einen CD-Player aufzubauen. Sie trafen sich abends auf dem Platz, um zu reden und tanzen zu üben. 

Außerdem rannten etwa dreißig Kinder herum und im Dorfladen gegenüber saßen die Männer und tranken Bier... Ich wurde dann gleich aufgefordert, allen amerikanische Tänze beizubringen und bei den Übungstänzen mitzumachen...

Ich hatte einen echt schönen Abend, auch wenn sich die ganze Versammlung schon gegen zehn auflöste, und alle nach Hause gingen.. 

Am Freitag hieß es dann auf einmal wir ziehen um. Ich fand es, wie gesagt, ein bisschen schade. Allein schon, weil ich all diesen kleinen Mädchen und Frauen so gern noch irgendwas schenken wollte. Ich hatte nämlich ständig irgendwelche kleinen Geschenke bekommen: eine Birne, ein Stück Wassermelone, selbstgefaltete Origamivögel und -blumen, ein  grünes Zopfgummi, getrocknete Fischstäbchen, kleine, runde, nach Lakritz schmeckende Medizinkügelchen...

So ganz kleine, nette Sachen irgendwie.

Ich muss echt noch mal zurück nach Fengyan, wenn mein Chinesisch besser ist und mich bedanken :)

 

Am Freitag stopften wir also all unsere Sachen wieder in die Koffer, und alle Koffer in zwei kleine Autos und fuhren alle (also etwa 20 Personen) nach Gongcheng, wo wir den Bus nach Yangshuo nahmen.

In Yangshuo fuhren wir mit dreien dieser kleinen, offenen Taxis zur Schule raus.

Das Gefühl als wir ankamen, war echt toll: ich kannte das alles ja schon von Fotos, aber jetzt war ich echt da, und ich werde hier sechs Monate bleiben!!

 

Weil diese Woche noch keine Schule ist, sondern der letzte Teil unseres Vorbereitungskurses, schlafen wir im Moment noch in einem abgetrennten Teil der Schule, der zu Greenway-China gehört und in dem normalerweise die Volunteers wohnen. Im Vergleich zu den Dormitories ist er echt luxuriös: Sogar eine Klimaanlage haben wir! (Auch wenn ich nicht verstehe, welchen Sinn es hat, in dieser Hitze die Zimmer soweit runterzukühlen, dass man wieder eine dicke Bettdecke braucht, um nachts nicht zu frieren..)

 

Neben den Chinesischstunden haben wir diese Woche auch ziemlich viele Ausflüge zu allen möglichen Sehenswürdigkeiten in der Nähe, wie den Moonhill (auf den wir nach zwei Stunden Fahrradfahrt bei furchtbarer Hitze in einer seltsamen "völlig-fertig-albern-fröhlichen" Laune raufgeklettert sind), einen nahen Strand (wunderbar!!) oder das "Bamboorafting"(da waren wir heute, und es war erstaunlich entspannt: der Höhepunkt bestand darin, dass Johanna und ich von diesen Typen, die den Touristen Fotos mit Berghintergrund verkauften, zuerst dazu gebracht wurden, ein Foto mit einem der Jugendlichen zu machen, und das Foto daraufhin ausgedruckt und geschenkt bekamen - die hatten anscheinend auch echt Langeweile...).

 

Neben dem offiziellen Programm unternehmen wir abends und in der Freizeit am Wochenende auch noch alles Mögliche: Zum Beispiel waren wir (in diesem Fall Alex, Julia, Johanna und ich) am Sonntag beim "Mountain Climbing" an einer Felswand, die Winebottle hieß,(Ich hatte das noch nie gemacht, bin aber laut Alex "a natural" *stolz*) und gestern Abend hatten wir (diesmal fast alle 20 Volunteers und Chinesinnen) eine Art Mini-Party mit Bier und Erdnüssen und Lagerfeuer und Schwimmen unterm Sternenhimmel. Das war echt richtig schön! (Falls Hannah oder Jojo das hier lesen: Es war richtige LFK-Stimmung!)

Wenn wir Schwimmen gehen, ist es immer die große Herausforderung, Amy, Cheryl, Annie oder Jane Schwimmen beizubringen, weil die chinesischen Mädchen das erstaunlicherweise fast alle nicht können. 

Oft gehen wir abends aber auch einfach in die Stadt, in die Westernstreet oder in eine der Rooftopbars.. 

Yangshuo ist ein richtiges Touristenzentrum. Abends gleicht es einer lauten, bunten und glitzernden Shoppingwelt, in der man fast alles kriegen kann, was man sich so vorstellt... Sogar Pizza! Mit Käse! Dafür sind die Preise aber auch sehr viel westlicher als in Gongcheng.

Weiter vom Stadtzentrum entfernt, also auf dem Weg zurück zur Schule, bekommt man die gleichen Sachen sehr viel günstiger. Ich liebe die Obststände überall, und die chinesischen "BBQ"s! Das sind kleine Stände an der Straße, an denen man für einige Yuan verschiedene Sachen aussuchen kann (alle Sorten Fleisch und Krebse, aber auch Mais, grasartiges Gemüse, Lotusscheiben, Tofu usw.), die dann über einem Minigrill geröstet werden. Das ist auch für Vegetarier total zu empfehlen! :)

 

Unser zweiter Lieblingsladen ist so ein kleiner SAft- Tee- und Milchshakeshop, in dem man für 4-8 Yuan die verschiedensten Getränke kriegen kann..

Johanna hat gestern volle 4 Shakes bzw. Tees getrunken, woraufhin sie so eine kleine Abokarte bekam, bei der man nach zehn Shakes einen gratis bekommt :) Ja, sowas gibt's auch in China :):)

Ich glaube, wenn ich hier ein halbes Jahr gewohnt habe, kenne ich die Stadt in und auswendig! Auch wenn wir, nachdem die Schule angefangen hat, wahrscheinlich ein bisschen weniger ausgehen :) Ein bisschen sehr viel. Ich merke nämlich jetzt schon, das ich, seit wir hier sind, so gut wie gar keine Chinesischvokabeln gelernt habe und beim wöchentlichen Test am Freitag mal wieder gar nichts auf die Reihe kriegen werde... Laut Isabella gilt ja "Bu hao kaoshi=mei you weekend" (also ohne gute Prüfung kein Wochenende) aber sie meint es irgendwie nicht wirklich ernst :)

 

Und diese Woche will ich die Zeit einfach nutzen! Am Wochenende wird sich diese wunderbare Gruppe hier einfach auflösen, weil Julia, Anna, Cath und Jennifer ins Waisenhaus fahren, Cheryl und Annie genau wie Janice und Hannah zu ihrer Uni zurückfahren, Valentine reisen geht, Malin und "die Jungs", also Chris, Björn, Shawn, Mathew usw. soweit ich weiß in verschiedenen Provinzen zu unterrichten anfangen, Johanna und ich ins Dormitory ziehen und Alex glaube ich, zurück nach Fengyan geht..

 

Ich will nicht!!!!!!! Ich kenne alle diese tollen Menschen erst so extrem kurz, aber ich werde sie jetzt schon  extrem vermissen, vor allem diese Stimmung hier, dieses Gemisch aus Schwedisch, Holländisch, Belgisch, Irisch, Deutsch, English und Chinesisch... Mann :( Das Doofe ist einfach, dass ich weiß, dass ich alle so als Gruppe nicht wieder treffen werde...

Naja, aber eigentlich bin ich froh, dass wir so einen tollen internationalen China-Anfang hatten!!! Und wenn ich Glück hab (was ich garantiert haben werde:)!!) sind die Jungs und Mädels in meiner Klasse auch so nett!

 

 

 

 

Übrigens: Danke für die ganzen Mails! Ich freu mich jedes Mal richtig, Neuigkeiten aus dem fernen Deutschland zu hören!! Ich denk an euch! :)