24.10.11 Neuigkeiten!

Unter all den Sachen, die ich hier in China lerne (wie z.B. morgens in zehn Minuten aus dem Bett kommen, inklusive schnellst schminken, Schuluniform und Haare zurecchttüdeln, Zähne putzen, Bett machen und den Müll rausbringen; englische und chinesische Schimpfwörter; sich verständlich machen obwohl einem die wichtigsten Vokabeln fehlen, Bambusrosen herstellen, per Hand waschen & T-Shirts falten -ja Mama, es besteht noch Hoffnung- , Unmengen an Chinesisch-Vokabeln, Augen- und Morgengymnastik, selber mein Geld verwalten, mich zusammenreißen, wenn's sein muss usw usw usw.) ist auch die Fähigkeit, immer auf plötzliche Überraschungen und Planänderungen gefasst zu sein. Oder, wenn ich nicht darauf gefasst bin (also meistens) zumindest flexibel und offen zu reagieren, nach dem Motto, gucken wir erst mal, vielleicht ist das ja eine super Chance... :)

Ich glaube, das ist wirklich typisch chinesisch: nichts wird verraten oder auch nur angedeutet, bis es nicht vollständig organisiert ist und auch garantiert stattfinden wird. Sonst könnte es ja sein, dass es am Ende doch nicht klappt und beide Beteiligten ihr Gesicht verlieren... Für mich ist diese Denkweise wirklich ungewohnt - ich glaube, in Europa ist es üblicher, den anderen so früh wie möglich zu informieren, damit er sich vorbereiten und seinen Tag ein bisschen planen kann..

 

Also um es kurz zu machen: am Samstag bat Isabella mich und Johanna auf einmal in ihr Office zu kommen und eröffnete uns dann: Die Schule hat eine Gastfamilie für mich gefunden und ich soll nächsten Mittwoch umziehen!

Das war echt eine ziemliche Überraschung! Es ist nämlich so, dass wir praktisch seit wir hier in Yangshuo angekommen sind, immer wieder nachgefragt haben, ob es irgendwo Gastfamilien für uns gibt: nicht, weil wir die Dormitories nicht mögen (absolut nicht!) aber einfach für die Nachmittage, Abende und Wochenenden; all die Zeiten, an denen die chinesischen Schüler im Unterricht oder zu Hause sind. Diese Zeiten haben wir bis jetzt meistens im Greenwaygästehaus verbracht, mit lernen, herumtüdeln oder mit den Volunteers ausgehen. Die meisten Leute hier sind absolut toll und ich werde diese Zeiten garantiert auch ein bisschen vermissen, aber ich hatte einfach oft das Gefühl, für etwas anderes hergekommen zu sein. Ich meine, ich bin hier in China, mit tausenden von Chinesen und Erlebnissen direkt vor der Tür und was mache ich? Ich hänge mit anderen Europäern in Bars in der Westernstreet ab, sitze stundenlang auf der Greenway-Dachterasse, esse Sonnenblumenkerne und mach eigentlich gar nichts und rede Deutsch mit Volunteers die nur ein paar Stunden von mir entfernt wohnen.

Das ist zwar auch schön, aber irgendwie hatte ich oft das Gefühl, alles Mögliche zu verpassen...

 

Gerade weil ohne Eigeninitiative wirklich gar nichts läuft. Bestes Beispiel sind die Ferien: Nach dem 1.Oktober hat ganz China wegen dem Nationalfeiertag eine Woche frei, also auch unsere Mitschüler. Eigentlich war mir klar, dass die Organisation, bzw. Isabella jetzt nicht irgendein großes Programm für uns organisiert und wir uns schon selber irgendwas ausdenken müssen, aber irgendwo hab ich doch immer noch gehofft, dass sie uns vielleicht anbieten, in irgendeine Familie zu gehen, in eines der anderen Volunteerprogramme zu reisen oder was weiß ich was. Ich hab die Ferien also immer einfach ein bisschen verdrängt - das ganze endete dann damit, dass wir schlichtweg die ganze Woche hier im Gästehaus waren, jede Nacht ausgegangen sind (ich bin echt noch nie in meinem Leben so viel ausgegangen) und tagsüber geschlafen haben. Es war nicht schlecht, aber ich hatte echt das Gefühl, ich hätte so viel lieber irgendwas richtig chinesisches erlebt. Ausgehen kann ich auch zu Hause.

 

Als die Schule wieder losging war es auch nicht viel besser, weil ich vom Unterricht immer noch so gut wie nichts verstehe und der allergrößte Teil des Tages eben mit Unterricht ausgefüllt ist.

Außerdem hatten Johanna und ich sozusagen überhaupt kein Programm: niemandem zum Reden, keinen Chinesischunterricht und auch sonst irgendwie keine Aktivitäten. Alles war immer nur "Selfstudytime".

Ich war also ziemlich unzufrieden mit der Situation, aber es war mir auch unklar, an wen ich mich wenden sollte, und ich wollte auch nicht immer wieder sagen so passt es mir nicht und so auch noch nicht und ich will diese und das und hier und da. Nachdem aber verschiedene Leute (von meiner deutschen Familie über unser aller Mama Sabine bis hin zu meinen Mitschülern hier) mich ermutigt hatten, mal ein bisschen fordernder zu werden, setzten Johanna und ich uns dann nochmal zu einem längeren Gespräch mit Isabella und zwei Tage später auch mit Lily (der chinesischen Englsichteacherin) zusammen.

Und tatsächlich: ein paar kleine Veränderungen gab es: Lily versprach uns, dass wir ab der nächsten Woche nachmittags am Zeichenkurs teilnehmen könnten, Isabella bot uns an, am Wochenende für fünf Yuan pro Mahlzeit bei den Greenwayleuten mitzuessen (sonst mussten wir immer in die Stadt oder irgendwas Selbstgekauftes essen), und wir bekamen die Möglichkeit, unsere Chinesischübungen von einer chineischen Lehrerin durchsehen zu lassen.

 

Außerdem beschloß ich irgendwann, in bestimmten Situationen einfach nicht mehr schüchtern zu sein, sondern schlichtweg rauszugehen und mir irgendjemand zum Chinesischsprechen zu suchen. Ich meine, diese Chance werde ich vielleicht nie wieder haben! Außerdem war es auch einfach frustrierend, wenn ich hier in China manchmal über mehrere Tage wirklich so gut wie kein Wort Chinesisch gesprochen hatte. Also:Rausgehen und Reden! Egal mit wem. Und das klappte erstaunlich gut.

 

Gerade weil es so ein Kontrast zum Unterricht ist, in dem ich so wenig verstehe, bin ich immer noch jedesmal begeistert, wie mühelos es klappt, sich mit einzelnen Leuten zu unterhalten. Mir fehlen zwar ständig die Wörter, aber ich verstehe wirklcih viel und es findet sich irgendwie immer ein Weg, sich doch noch zu verständigen. Wenn dann mal Zeit war (zum Beispiel an den Wochenenden, es gehen nämlich NICHT alle Schüler nach Hause!) konnten wir auch in die Stadt auf den MiniJahrmarkt oder in den Park gehen oder auch uns mehrere Stunden einfach unterhalten. Schlichtweg weil in Deutschland wirklich ALLES anders ist als hier. Von daher gibt es jede Menge Gesprächsthemen, auch wenn man sich noch nicht so lange kennt. Außerdem gibt es ja hier immerhin 3000 Schüler. Irgendjemand Nettes muss ja dabei sein. :) MIttlerweile kann ich mit dem sehr schönen Gefühl durchs Dormitory gehen, in so gut wie jedem Stockwerk jemanden zu kennen. LiFeng im Zimmer 508, HuangYan in 318, ihre Freundin in 410, die Erhumädels unten im ersten Stock, meine Mitschüler in 416, -17 und -18 und natürlcih die Mädels aus meinem eigenen Sushe: 205!

 

Jetzt also Gastfamilie. Oh mann du.. Ich weiß wirklich noch nicht, wie ich das jetzt finde: Einerseits freu ich mich total, das gehört zu den Sachen, die ich unbedingt erleben wollte hier in China! Und andererseits: Ich will nicht umziehen :( Gerade jetzt, wo hier alles anfängt besser zu werden, ich mich ein bisschen an das Leben gewöhnt habe und ich anfange, meine Dormitoryleute und diese Abendatmosphäre, wenn 1500 Mädels in einem Gebäude sich Zähne putzen, herumalbern, über die Flure rennen, schnell noch ein paar Vokabeln lernen, die Sachen für den nächsten Tag zusammenpacken, bis dann um halb elf der Abendgong ertönt, die "Ayi" unter Trillergepfeife die letzten Schüler reinscheucht und das Tor abschließt und überall das Licht ausgemacht wird richtig zu mögen, soll sich auf einmal wieder alles ändern!

Natürlcih gehe ich weiterhin hier zur Schule, sogar mein Bett im Dormitory werde ich erst mal behalten, ich esse hier zu Mittag und kann später sicher auch mal am Wochenende die Greenwayleute besuchen, aber trotzdem!

Ich muss zugeben, ich bin ziemlich aufgeregt!

 

Am Sonntag waren Johanna und ich zusammen mit Lily und Isabella "meine" Familie besuchen. Sie wirkt unglaublich toll! :)) Ich habe eine unglaublich süße Gastschwester, die in die Primaryschool geht, einen 17-jährigen Gastbruder, der tatsächlich auch wie 17 aussieht (eine ziemlich Ausnahme bei den Jungs hier :)), aber in der Schule wohnt und nur zum Abendessen nach Hause kommt, eine durchgängig lächelnde Mama, die früher Mathe unterrichtet hat und jede Menge Tanten, Onkels, Großeltern und Cousinen, die überall herumwuseln. Die gesamte Verwandschaft wohnt nämlich in der gleichen Straße! Ich liebe das Haus! Es ist sauber und aufgeräumt und sieht gleichzeitig deutlich bewohnt aus, Für chinesische Verhältnisse relativ groß und typisch chinesisch, mit gold-roten Glücksbringern an der Tür und kniehohem Esstisch und Hockerchen. 

Ich habe sogar ein eigenes Zimmer mit Minibad, ganz oben únterm Dach. Es ist ein absoluter Luxus. Auch wenn ich wahrscheinlich ein bisschen einsam sein werde, ich habe mich schon so daran gewöhnt, mit dreizehn anderen Mädels in einem Raum zu schlafen...

 

Alles scheint wirklich total nett zu sein, ich habe nur Angst wegen der Sprache. Als wir da waren, haben nämlich alle fast nur Yangshuodialekt versprochen, von dem ich echt fast nichts verstehe, und den ich ja eigentlich auch nicht lernen will...:§ Und genau: Johanna geht wahrscheinlich nach Guilin, an Janices Universität; Isabella meinte auf einmal, dass das vielleicht passender ist als diese Schule...:$ ERst mal nur für einige Wochen, aber trotzdem! Dann sehen wir uns noch nicht mal im Unterricht! Ich werd sie glaub ich schon vermissen! :O

Aber ich will es auf jeden Fall ausprobieren! Es könnte nämlich auch sein, dass das genau das wird, was ich die ganze Zeit vermisst habe!!

 

Ganz zum Schluss noch mal: Danke an meine wunderbare Familie, die mir ohne dringenden Grund ein Luftpostpaket (Wie teuer ist das bitte??) geschickt hat, das am Samstag völlig nass und zerquetscht, aber voll mit wunderbaren Sachen hier ankam. Ich hab euch echt lieb! :)