25.09.11 Heimwehwellen & was wir sonst noch so erleben...

Gerade eben habe ich meinen Kalender wiedergefunden und dabei zwei Dinge

bemerkt - Erstens: Ich bin jetzt schon seit zwei Monaten in China! Und zweitens: Ich habe seit fast drei Wochen keinen Blog mehr geschrieben... :)

Ehrlich gesagt: Es kann sein, dass diese zwei Tatsachen irgendwie zusammenhängen. (: Je länger ich hier bin, umso schwieriger finde ich es, die ganzen Erfahrungen und Erlebnisse, die ich hier mache, in so einen kurzen Blogeintrag zu stopfen. Vor allem dieses Gesamtgefühl, dass langsam alles so normal wird, immer noch spannend und neu, aber gleichzeitig schon irgendwie vertraut - das kriege ich einfach nicht in Worte gepackt! Wahrscheinlich muss man das einfach selbst erleben... Also, Leute, macht Schüleraustausch!! Oder geht als Volunteers nach China oder findet sonstwelche Wege die Leute und das Leben hier kennenzulernen! Das geht absolut in jedem Alter (Charlie, einer der Volunteers, ist immerhin viermal so alt wie ich!) und ist absolut unersetzbar!! Ich hatte in den letzten Wochen manchmal echt Momente, wo ich extrem gerne für ein Wochenende nach Hause gekommen wäre um einfach mal ein paar Tage GANZ NORMAL zu verbringen, aber gleichzeitig habe ich meine Entscheidung, hier her zu kommen, keinen Moment bereut! Ich habe jeden Tag so viele Chancen, neue Erfahrungen und Erlebnissen zu machen - das ist ECHT unersetzlich! :)

Und all die Menschen hier, es ist einfach toll, so viele Jugendliche (oder meinetwegen auch junge Erwachsene) zu treffen, die einem anfangs völlig fremd sind, aber mit denen man sich trotzdem nach so kurzer Zeit schon über die Welt und das Leben und keine Ahnung was unterhalten kann!

Da sieht man dann mal, wofür man Englisch (bzw. Chinesisch) lernt! :)

 

Okay, jetzt reicht es hier erst mal mit dem Rumgeschwärme :). Auch wenn ich das Gesamtgefühl nicht beschreiben kann, ich berichte einfach mal ein paar Sachen, die so passiert sind, in den letzten Wochen hier.

Es sind alles nur so kleine Sachen, die eben zwischen dem normalen Schulleben stattgefunden haben, aber Einiges ist aus meiner Perspektive wirklich seltsam :))

Ich fang mal einfach irgendwo an. 

 

Also... In der ersten oder zweiten Woche gab es abends nach dem Unterricht eine Tanz- Gesangs- und Musikshow, mit der unser Jahrgang, also die neue Oberstufe, begrüßt wurde. Dafür trudelten dann abends alle Gao Yi (Senior 1) - Klassen in der Schulaula ein (insgesamt etwa 400 Jugendliche, also etwa so viele wie alle Schüler unsérer ganzen deutschen Schule zusammen!) und redeten dann erwartungsvoll durcheinander, während zwei Gao Er (Senior 2) - Schülerinnen geschminkt (hier, bei der strikten Schulordung eine kleine Sensation) und in pinken Kleidern auf die Bühne kamen und eine Begrüßungsrede hielten.

Ich hatte das Glück, neben einer von meinen Mitschülerinnen zu sitzen, die nichts lieber wollte als ihr Englisch auszuprobieren und deshalb alles für mich übersetzte. Die Show war ein buntes Gemisch aus allem Möglichen, Ballet (was ich wirklich beeindruckend fand, aber auch befremdlich, perfekt einstudiert mit Militäruniformen, maskenhaft ernsten Gesichtern, einer riesigen chinesischen Flagge und Theaterblut, das auf ein weißes Laken gespritzt wurde), modernem Tanz (zu Britney Spears!), immer wieder Erhu-Vorspielen (chinesisches Traditionsinstrument, einfach mal googeln(: ), einer Ballade vom klassischen chinesischen Chor der Schule (überhaupt nicht mein Geschmack), Kalligrafie- und Bildenthüllungen und Reden, die irgendwelche Lehrer hielten. Eine junge Lehrerin sang sogar, in hohen Schuhen und einem unglaublich aufwendigen

weißen Tüllkleid, und wurde von den Schülern bejubelt wie ein Popstar... 

Die meisten Programmpunkte wurden aber von den "Kunstklassen" der Schule geliefert - Klassen, in denen die Schüler weniger normalen Unterricht haben und dafür eine bestimmte Kunstrichtung (wie z. B. Ballet) lernen.

Die Schüler wurden immer wieder aufgefordert, sich für eine dieser Klassen zu bewerben oder sich zumindest für eine der "Nachmittagsklassen" anzumelden - jeden Tag gibt es nämlich eine Schulstunde am Nachmittag, die für solche Aktivitäten gedacht ist. Johanna und ich wollen auch irgendwas machen, auf jeden Fall die Zeichenklasse und vielleicht auch noch Tanzen oder Ballet, falls wir nicht wegen mangelnder Begabung rausgeschmissen werden...

 

Ansonsten haben wir hier nämlich sehr wenig Möglichkeiten, irgendwelchen Sport zu machen. Es gibt zwar jeden Tag zweimal "Morgengymnastik" (immer ein Riesen-event, mit allen 3000 Schülern klassenweise aufgereiht auf dem Basketballplatz), aber das ist wirklich eindeutig kein Sport, mir ist noch nicht mal warm danach. Die Schüler machen nur etwa fünf, vielleicht zehn Minuten irgendwelche Übungen (die, wenn man sie kann, eigentlich ganz gut aussehen) und hören sich danach weitere fünf Minuten lang einen Kurzvortrag an, den einer der Lehrer unter der chinesischen Fahne über Lautsprecher hält. Ich verstehe meistens sehr wenig, es sind aber eigentlich immer organisatorische oder disziplinarische Ansagen, die sich wieder und wieder wiederholen (in den Schlafsäälen 40x, -y und -z war gestern um fünf nach halb elf noch das Licht an, Schlafsaal 20o soundso sah heute Morgen nicht aufgeräumt genug aus, trödelt nicht so lange beim Frühstück und ist kommt früher zur Morgengymnastik usw, usw.).

Die Schüler sind zwar leise (wahrscheinlich auch schlichtweg aus Müdigkeit - die erste Morgengymnastik ist vor dem Frühstück um halb sieben - wirken aber nicht besonders interessiert. Auch bei der Morgengymnastik selbst wird oft ziemlich herumgeschlampt, so dass letztendlich Johanna und ich, die natürlich keine Ahnung haben, und immer bei irgendwelchen Mitschülern abgucken, von der Lehrerin als gutes Vorbild für unsere Klasse verwendet wurden. Das fanden natürlich alle sehr lustig, nur ich fühlte mich irgendwie ziemlich verlegen, weil wieder mal alle auf uns achteten, wie sowieso schon die ganze Zeit...

Diese Lehrerin, die Geografie unterrichtet, und sowas wie die Vertauenslehrerin unserer Klasse ist, ist eigentlich ziemlich nett. Ich habe trotzdem immer eine leichte Panik, wenn sie irgendetwas von mir will - sie ignoriert nämlich schlichtweg den Fakt, dass mein Chinesisch noch nicht ganz fließend ist (also eigentlich gar nicht(: ) und redet immer minutenlang in schnellstem Yangshuoakzent auf mich ein, so dass ich praktisch jedes Mal den Faden verliere, egal, wie sehr ich mich konzentriere..

 

Ach so ja, Sport. Unsere Klassenstufe hat im Moment in den Abendpausen immer wieder Basketballspiele, jeweils die Jungs und die Mädchen zweier Klassen gegeneinander, die echt von allen, vor allem den Mädchen, extrem ernst genommen werden! :) Dabei lernen wir dann chinesische Anfeuerrufe (wie zB. "Jia you, jia you!" = "Gebt Öl, gebt Öl!" oder "Yi Ban Yi Ban, Menghu shang shan!"  = "Supertiger, steig den Berg hoch!") und haben endlich mal Zeit uns ein bisschen mit den Leuten aus unserer Klasse zu unterhalten. Ich durfte sogar schon mal mitspielen (ich bin ja hier vergleichsweise riesig, so dass sich alle einig waren ich müsste super Baskettball spielen können), wurde dann aber gleich beiseite genommen und darüber aufgeklärt, dass man viel mehr drängeln und schubsen muss...

 

Ansonsten ist da noch das Marschieren: Sowas hätten wir in Deutschland garantiert nicht erlebt! Morgen ist hier in der Schule ein Sportfestival, mit einer großen Eröffnungszeremonie, bei der alle fünfzig Klassen der Schule in einem großen Umzug marschieren - einige mit Blumen (im seltsamen Kontrast zu dem Militärstil des ganzen Umzugs), einige mit Fahnen - und laut verschiedene Slogans rezitieren. Die Sportstunden der letzten Wochen wurden vollständig dafür genutzt, dieses Marschieren und rezitieren perfekt einzuüben, so dass wirklich ALLE Schüler der Klasse im gleichen Takt marschieren und die Arme schwingen, die Reihen perfekt gerade sind, usw. Johanna und ich müssen, weil wir so groß sind :O, ganz vorne marschieren und das Banner unserer Klasse tragen.

Gestern haben wir erfahren, dass wir beide Schuluniformen tragen sollen, während der gesamte Rest der Schule Militäruniformen anhat. Hilfe! Das ganze wirkt sowieso schon wie eine Armeeveranstaltung, auch ohne Uniformen! Wie wird das bitte Morgen werden??

 

Das mit dem Sportfest ist aber typisch: Für Johanna und mich irgendwie total fremd, für alle anderen aber das Normalste der Welt. Das Schulleben hat hier immer wieder so kleine Highlights, die wir aus Deutschland echt nicht kennen. Zum Beispiel wurden wir an einem Tag alle auf dem Basketballplatz versammelt, wo von jedem ein Foto gemacht wurde, das wie für so eine Verbrecherkartei aussah (nicht Lächeln, Kopf gerade, Ohren und Augenbrauen zeigen! Meins ist natürlich besonders schlimm. Meine Augenschatten! :O). Ein paar Tage später bekamen wir dann alle etwa DinA5-große Identifikationskarten an einer Art Schlüsselband, die wir theoretisch den ganzen Tag immer und ständig tragen sollen.

 

Neben den Highlights für alle Schüler, wie zB. dem MidAutumnDay (für unsere Mitschüler = "hui jia!" ("nach Hause fahren!!"), für uns = Obst und Mondkuchen essen und chinesische Filme gucken auf der Dachterasse von Greenway) oder dem TeachersDay(wie Muttertag in Europa, nur eben für die Teacher), werden wir Ausländer auch noch immer wieder zu anderen Veranstaltungen mitgenommen.

Zum Beispiel wurden wir eingeladen, auf einer Tourismusmesseveranstaltung der Regierung in Guilin mitzuhelfen (was dann aber zwei Stunden vorher doch wieder abgesagt wurde) und wurden zu Mitgliedern der Student's Union berufen. Diese Gruppe ist eigentlich für besonders "gute" (schulisch und von der Haltung her) Schüler, die aus jeder Klasse ausgewählt werden. Die Mitglieder organisieren alle möglichen Sachen, sollen Vorbilder für die anderen sein und andere daraufhinweisen, ihre Uniform richtig zu tragen, sich an die Schulregeln zu halten und sich fair zu verhalten, und können später in die kommunistische Partei eintreten. Johanna und ich sind aber nur reingekommen, um unser Chinesisch zu üben. :D

 

Ein anderes Mal sind wir alle Ausländer zu einem Essen im Hotel des Schuldirektors eingeladen worden - dachten wir jedenfalls. Es stellte sich aber heraus, dass der Hotelmanager noch einige andere Dinge mit uns vorhatte..

Zuerst fuhren wir ganz hoch, auf die Dachterasse des wirklich sehr schönen und luxuriösen Hotels, bekamen jeder eine Flasche Wasser und wurden gebeten kurz zu warten. Dann kam ein Mann mit einer beängstigend professionellen Kamera und kündigte an, jetzt würde erst mal ein Foto gemacht. Soweit war das ja ganz normal (hier in China wird eigentlich wirklich zu jedem Anlass erst mal ein Foto gemacht). Dann fing der Mann, der plötzlich noch zwei Assistenten hatte, aber auf einmal an, uns regelrecht auf der Dachterasse zurechtzustellen. Wir sollten die Landschaft bewundern ("Nein, den Arm ein bisschen weiter nach rechts!"), uns in den Liegestühlen sonnen ("Einfach ganz entspannt!") und so tun, als wären wir in interessante Gespräche vertieft.. Dafür bildete er dann immer Päärchen, die seinem Geschmack nach gut zusammen passten und ließ uns etwa fünf Minuten vor uns hin reden, während er mit seiner Kamera um die Szene herumlief und Fotos aus allen mölglichen Perspektiven machte. Das Ganze war ziemlich lustig, machte mich aber auch ein bisschen verlegen -  vor allem als er die Jungs dann anwies, Sonnenbrillen aufzusetzen und ihre T-Shirts und Schuhe auszuziehen... Nach den Dachterassenbildern kamen auch noch Fotos in den Hotelzimmern, mit Weingläsern (Echt!! Dabei fliegen wir theoretisch schon aus dem Programm, wenn wir Bier trinken), Rosenblättern auf den Betten und was weiß ich was. Wir amüsierten uns ziemlich gut, aber es war auch irgendwie alles so unwirklich - ich meine, wenn dass in Deutschland passieren würde: Man wird als Austauschschüler zu einem Essen mit seinem Schuldirektor eingeladen, und das Ganze endet dann damit, dass man mit ihm auf einem Hotelbalkon steht und so tun soll, als wäre man in ein romantisches Gespräch vertieft und am Ende ein rote Rose überreicht bekommt, alles vor laufender Kamera! Irgendwie unvorstellbar, oder?

Der Sinn dieser Fotoserie war übrigens, Fotos für den Hotelkatalog und die Website zu produzieren - weil Hotels, die Ausländer in ihren Anzeigen haben, höhere Preise verlangen können...

Später bekamen wir dann aber tatsächlich noch unser Essen. :)

 

Auch wenn es sich jetzt vielleicht nicht so anhört, in diesen ersten Schulwochen hatte ich auch ziemliiche Langeweile- und Beinahe-Heimwehphasen.

An den normalen Schultagen war ja wirklich fast ständig Unterricht, und auch wenn wir nach der ersten Woche nur noch vormittags am Unterricht teilnehmen sollten, und nachmittags/abends selber im Greenway-Gebäude Chinesisch lernen, bedeutete dass ja, dass wir so gut wie keine Chancen zum Reden oder sonstwie kommunizieren hatten, weil alle anderen im Unterricht saßen.. Außerdem fällt es mir auch relativ schwer, den ganzen Tag mit "Self-Study" zu füllen, vor allem, wenn ich Kein wirkliches Konzept habe, und niemanden, den ich bei Unklarheiten um Hilfe fragen kann...

 

An den Wochenenden war es ähnlich, weil wir sozusagen so gut wie kein Programm hatten, und unsere Mitschüler allesamt nach Hause fuhren (also am Sonntag, am Samstag haben sie ja noch Unterricht). Das bedeutete dann wieder mal lange Zeiten, in denen wir einfach hier im Greenway-Gebäude saßen und uns irgendwie beschäftigen mussten.

Am meisten hasste ich das Gefühl, so völlig auf sich allein gestellt zu sein. Es ist nämlich irgendwie keiner verantwortlich für uns, oder zumindest haben wir noch nicht rausgefunden wer.. Isabella ist immer offen für Probleme, stellt aber auch immer wieder klar, dass es nicht mehr ihre Verantwortung ist, wo wir am Wochenende bleiben, dass wir warme Decken für den Winter und an schulfreien Tagen irgendwas zu Essen finden, Chinesischunterricht bekommen usw. Dann sind zum Beispiel alle Schüler fürs Wochenende zu Hause und alle Greenwayleute kochen zusammen und essen später unten in der Küche, aber wir dürfen nicht mitmachen, weil wir nicht mehr am Prgramm teilnehmen..

In solchen Momenten wünsche ich mir dann einfach eine Gastfamilie. :§ 

 

Jetzt so langsam bekomme ich das Gefühl, dass meine Dormitory-Mädels und ein paar aus meiner Klasse auch eine Art Familie für mich werden, aber die müssen wir ja alle erst mal kennenlernen! Anfangs waren wir wirklich ziemlich auf uns allein gestellt. Oder zumindest kam es mir so vor.

 

Die letzte Woche war aber besser! Montag ging es ziemlich schlecht los damit, dass ich total müde war und abends auf einmal kein Internet mehr hatte (&die ganze folgende Woche nur sehr unregelmäßig - bescheuert, wenn man sich fürs Skypen verabreden will). Außerdem wurde es am Dienstag auf einmal richtig kalt. Das kam völlig überraschend und plötzlich! An einem Tag konnte ich abends wegen der Hitze kaum einschlafen, am nächsten wegen der Kälte!

Vor allem morgens in der Klasse habe ich richtig gefroren. Die Häuser haben hier keine Heizungen, und man glaubt nicht, wie kalt es einem vorkommt, wenn man sich den ganzen Vormittag nicht bewegt, sondern in einem ungeheizten Klassenraum sitzt..

Dazu diese Frustration, immer noch rein gar nicht vom Unterricht zu verstehen! Sogar im Englischunterricht erstaunlich wenig, weil ständig auf Chinesisch über irgendwelche Grammatikprobleme diskutiert wurde. Einziges Highlight waren die Stunden von Sabine, einer anderen Deutschen, die hier als Voluntärin Englisch unterrichtet. Ihre Stunden sind immer eine richtige Unterhaltungsshow, und die Schüler lieben sie! Aber ansonsten bestand der Unterricht für mich hauptsächlich aus frieren, lesen, Vokabeln lernen, und mich darüber ärgern, wie unglaublich schnell neu gelernte Schriftzeichen wieder aus meinem Gedächtnis verschwinden.

 

Die Kälte hatte aber einen Vorteil: sie führte dazu, dass wir Decken für die Nacht brauchten. Das Laken, unter dem ich bis jetzt geschlafen hatte, reichte einfach nicht mehr. In meinem Dormitory waren alle sehr besorgt, dass ich frieren würde und deshalb bot eines der Mädchen an, am nächsten Tag in der Mittagspause mit Johanna und mir Betten kaufen zu gehen. 

Das war richtig schön! :) Endlich hatten wir mal richtig Zeit zu reden und einfach ein bisschen herumzualbern! Endlich!! Ich merkte echt mal wieder, wie doll ich das einfach vermisse hier, diese Zeiten um sich einfach mal ungestört mit jemandem zu unterhalten! Es war ein echt netter Nachmittag!

Die Decken, die wir letztendlich fanden, sind auch irgendwie cool.. :) Sie duften unglaublich nach Heu, ich hab jeden abend das Gefühl im Stroh zu übernachten!

 

Danach wurde alles immer besser. (:

Irgendwie häuften sich auf einmal die Chancen, irgendwo Leute kennenzulernen, herumzualbern und einfach ein bisschen Chinesisch zu sprechen (das heißt, vielleicht gab es sie vorher auch schon und ich habe sie nur nicht bemerkt?).

Zum Beispiel kamen an einem Abend auf einmal all die Erhu-Mädchen leise in den Spiegelsaal gedrängelt als ich gerade Geige übte und wollten unbedingt zuhören. Nachher zeigten sie mir dann ihre Noten und Instrumente und ein Kaninchen, das sie heimlich gekauft hatten und das jetzt im Spiegelsaal hinter einer Gardine lebt ("bloß nicht der Lehrerin sagen!"), fragten mich alles Mögliche und boten an, dass ich jederzeit runterkommen und sie besuchen könnte, weil sie hier jeden Abend üben würden. Das mache ich jetzt auch immer wieder :) Ein bisschen Geige spielen und Chinesisch sprechen.. :) :) 

Auch die Mädels aus meiner Klasse wurden immer offener. Wir waren zusammen essen und unterhielten uns in den Pausen und so, und mittlerweile freu ich mich echt immer voll, sie zu sehen! 

 

Am Freitagabend hatten dann alle frei (den Grund habe ich immer noch nicht verstanden) und fuhren wieder nach Hause. Li Dong Yu (das Mädel, was mit uns Decken kaufen war) blieb aber bis Samstag im Dormitory, so dass ich beschloss auch dort zu übernachten (normalerweise ziehen wir am Wochenende zu Greenway um). Am Freitagnachmittag spielten wir mit ein paar von ihren Klassenkameraden, die auch noch in der Schule waren, Volleyball und gingen später zusammen in ein kleines Restaurant essen. Am Ende bestanden die Jungs darauf zu bezahlen, und Li Dong Yu versicherte mir, dass müsse so sein, Jungs müssten immer einladen. MIr war das ein bisschen unangenehm, weil die Schüler hier alle für europäische Verhältnisse sehr sehr wenig Geld haben, aber es stellte sich heraus, dass das Ganze Essen für vier Personen umgerechnet weniger als 8 Euro kostete - so viel muss man in Deutschland für einen Gang für eine Person bezahlen!

Nach dem Essen waren wir noch am Fluss, wo einer der Jungs seine Freundin traf und wir einfach nur im Dunkeln saßen, Sterne und Fischerboote anguckten und redeten. Sehr romantisch! :)

Li Dong Yu lud Johanna und mich dann ein, am Samstag ihre Familie besuchen zu kommen, oder genauer gesagt ihren Vater und ihren kleinen Bruder, weil ihre Mutter um ihre Schulgebühren zu bezahlen, in einer anderen Provinz arbeitet und nur zwei Mal im Jahr nach Hause kommt. Das war so lieb, uns einfach einzuladen!

 

Der Besuch war wunderschön! Ihre Familie hat wirklich fast gar nichts, also wirklich, aber ihr Hof liegt relativ einsam mitten in der schönsten Landschaft, die man sich vorstellen kann! Hohe Berge rundherum, ein kleiner Fluss, Mandarinenbaüme und grüne Reisfelder. Und alles so ruhig, wie aus einem Kalender! Wir kochten zusammen (aus selbstgesammelten Eiern und Gemüse!) und kriegten alles Mögliche zu Essen geschenkt! Ihr Vater war auch "extremly kind"! :) Abends waren wir wieder am Fluss, in der nächsten Stadt und fuhren dann nach Hause, direkt zum Ausgehen in die Stadt, so dass der Abend völlig anders, aber auch einfach perfekt wurde! :) Wir müssen sie unbedingt wieder besuchen!! 

 

Also, ihr seht, im Moment geht es mir gerade sehr gut, auch wenn ihr mir natürlich immer wieder fehlt. Drückt mir die Daumen, dass es so bleibt!